Sonntag, 22. Juli 2012

We're taking the train!*


22.07.2012, 18.15 Uhr
Pune

Ich bin die ganze letzte Woche recht umtriebig gewesen. Es gab viel zu organisieren, allen voran meine Registrierung, die ich bisher immer noch nicht auf die Reihe bekommen habe und jetzt wohl auch mit Verzugsgebühren rechnen muss (dagegen konnte ich selbst wenig machen) und die Summerschool, die am Ranade mittlerweile in vollem Gange ist. Davon werde ich euch jetzt nicht erzählen.
            Oder nur kurz: Bei der Summerschool habe ich Julia kennengelernt, die zur Zeit in Delhi mit ihrem Freund lebt, der dort drei Jahre lang für die GTZ arbeitet und an irgendwelchen Entwicklungsprojekten mitwirkt. Sie war letztes Jahr selbst Fremdsprachenassistentin beim DAAD, allerdings in Delhi und arbeitet jetzt auf ihren Doktor hin, weswegen sie sich zur Zeit in Pune befindet. Da sie sich ebenfalls die Stadt etwas anschauen wollte, haben wir uns Samstag am Ranade-Institut getroffen und sind zum Koregaon Park gefahren. Das ist nicht nur ein Park, sondern vielmehr der Name des Stadtviertels das diesen vergleichsweise kleinen Park umgibt. Dort dominieren Villen und europäische Einflüsse, letztere noch viel mehr als das im Rest der ohnehin schon westlich geprägten Stadt Pune der Fall ist - man könnte fast von einem europäischen Ghetto innerhalb der Stadt reden und das ist keinesfalls negativ gemeint. Der Koregaon Park ist der "place to be", das gesellschaftliche Herz der Stadt, zumindest aus europäischer Sicht - die Einheimischen mögen das vielleicht anders sehen. Auf jeden Fall gibt es dort viele Clubs, Bars und Restaurants und früher sogar einmal eine "German Bakery", in der deutsches Brot zu bekommen war. Leider wurde die vor zweieinhalb Jahren bei einem Terroranschlag in die Luft gesprengt und konnte seither nicht wieder eröffnen, weshalb es wohl für mich bei Weißbrot bleiben wird. Eine Tragödie für alle Beteiligten.
            Das hat uns aber wie gesagt nicht davon abgehalten, uns das Viertel ein bisschen anzuschauen. Julia hatte sich in einem Travelguide bereits eine Location ausgeschaut, die sie sich auf Empfehlung ihres Freundes und mittlerweile ihres Magens unbedingt einmal anschauen wollte. Die sogenannte ABC-Farm ist schon fast am anderen Ende des Stadtteils gelegen und wenn man nicht weiß, wonach und wo man suchen soll, läuft bzw. fährt man relativ einfach daran vorbei. Die Anlage hat ein paar Bars, in denen an verschiedenen Wochentagen jeweils Live-Musik gespielt wird und in denen es sich auf den ersten Eindruck echt aushalten lässt. Vor allem die Shisha-Bar, die wir dort entdeckt haben, sah sehr ansprechend aus und vielleicht werden wir da zusammen mit ein paar von den anderen Teilnehmern der Summerschool noch am Donnerstag Abend hingehen. Gegründet wurde die ABC-Farm als eine Art Öko-Enklave von einem Inder und dessen deutscher Frau. Dort geht es um Wellness, Ayurveda und ökologischen Anbau von Kräutern sowie die Herstellung von Käse, Milch und anderen Produkten und natürlich Homöopathie. Also alles Zeug, mit dem ich nichts anfangen kann. Da Julia sich das aber gern von dem, wie ich gestehen muss, netten Verkäufer erklären lassen wollte, habe ich mir das auch mit angehört. Die hatten sogar deutsche Zitronenmelisse im Garten!
            Naja, wir haben uns dann ein paar Sandwiches in einem der Cafés gegönnt und sind danach zum Osho Ashram gefahren. Osho ist, um es kurz zu fassen, Scientology Light auf Indisch und der Ashram eine Art Tempel bzw. Rückzugsort für die Anhänger dieser Sekte. Die wohnen in ihrem Domizil auch ziemlich beschirmt vor der Außenwelt mit hohen Zäunen und zwei Checkpoints an jedem Ende der Straße, wobei die wohl eher darauf aufpassen sollen, dass niemand ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor dem Grundstück stehen lässt, denn Sicherheitskontrollen habe ich dort keine erlebt. Eigentlich wollten wir dort eine kleine Tour über das Gelände machen, der Eingang wurde uns allerdings verwehrt bzw. war eine Registrierung notwendig. Dem scientologischen Vorbild folgend kostet das natürlich direkt Geld und zur Registrierung zählt nicht nur ein Wesens- sondern auch ein AIDS-Test - denn Orgien feiern will gelernt sein. Außerdem kann man dann auch nur zu einer bestimmten Zeit am Morgen dort eintreten und muss irgendwelche skurrilen Meditationen mitmachen für die, ihr habt es sicherlich schon vermutet, auch noch einmal einen extra Beitrag erhoben wird. Jeden Tag. Sowas muss ich mir auch einmal ausdenken.
Machete kills
            Wir haben uns danach noch ein wenig durch die Straßen und Gassen geschlagen, sind an Villen und großen Hotels vorbeigekommen und dann auf einen alten Mann getroffen, der Kokosnüsse verkaufte. Solche Leute sieht man ständig auf der Straße: die schlagen die Kokosnuss (mit grüner Schale) qua Machete für einen an und dann kann man die mit einem Strohhalm austrinken und danach, wenn der Verkäufer sie einem komplett aufgeschlagen hat, noch das Fruchtfleisch essen. Es hat mich jetzt nicht vom Hocker gerissen, aber ich habe ja auch nicht zum ersten Mal Kokosnuss gegessen, sodass ich jetzt eine Geschmacksexplosion erwartet hatte. Ansonsten verlief der Rest unseres Ausflugs relativ ereignislos, auch wenn wir uns noch ein Stück in ein kleines Slum wagten, wo Julia natürlich als Blonde Europäerin an einem Ort wo, wie sie sagte, "der weiße Mann nicht so oft vorbeikommt", natürlich eine Attraktion war. Ansonsten lasse ich einfach die folgenden Bilder für sich sprechen.
            Abschließend waren wir noch einen Kaffee im "Chocolade Room" (ja, wirklich mit "d") trinken, wo es Kalorienbomben sondergleichen in jedweder Form gab. Ich hatte mir nur ein Stück "Swiss Cake" bestellt, der gut aussah und von dem ich keinen Zuckerschock bekommen habe. Anders als Julia, die einen Pancake orderte, der nicht nur mit viel zu viel Schokosauce überzogen war, sondern auch noch selbst aus Schokoladenteig bestand. Da hat mir einmal probieren schon gereicht. Keine Ahnung, wie sie den niedergerungen hat. Die Bilder, die hier keinen Platz gefunden haben, könnt ihr euch bei Lust und Laune im entsprechenden Fotoalbum anschauen.
            Heute waren wir dann zusammen mit ein paar Studenten in den sogenannten Karla Caves, eine Kultstätte, die im 2. Jh. vor Christus in den massiven Stein eines Berges getrieben wurde. Wir sind dahin mit dem Zug gefahren, was auch ganz interessant war, weil wir in einem "Sleeper"-Abteil mitfuhren, in dem sich über den Sitzen noch Liegen befanden, auf denen man schlafen kann, was bei den großen Entfernungen und Fahrtzeiten durchaus Sinn macht. Allerdings weiß ich nicht, wie gut es sich dort tagsüber schlafen lässt, wenn alle fünf Minuten ein schreiender Verkäufer durchs Abteil gestolpert kommt, der einem entweder Essen, Nippes oder den Tee der Inder, Chai, andrehen will. Chai ist das de facto Nationalgetränk der Inder, das, wie im Grunde alles hier, in der Regel sehr, sehr süß getrunken wird. Man muss sich den Geschmack in etwa so vorstellen wie ihn Milch annimmt, nachdem man alle seine "Kellogg's Froot Loops" aus der Schüssel gelöffelt hat. Das Getränk hat hier ebenso Tradition wie die Bahnpreise, welche, wie mir gesagt wurde, seit 20 Jahren nicht erhöht worden seien und für eine Fahrt ins 50 km entfernte Khandala, wo die Äffchenbilder entstanden sind und wir vorher ob der Aussicht gehalten hatten, lediglich 27 Rupien (40ct) beträgt. Ansonsten möchte ich auch gar nicht viel mehr erzählen, denn wir waren eigentlich nur um der Aussicht willen in Khandala und in den Karla Caves, denn viel kulturelles gab es dort nicht zu lernen, zumal die Inder selbst an so religiösen Orten so unglaublich laut sind, dass man diese Stätten nur schwer auf sich wirken lassen kann. Zumindest könnt ihr euch mit den Bildern ein Bild (ha!) davon machen, was für einen Berg wir zu erklimmen hatten und dass sich der Aufstieg auf jeden Fall gelohnt hat. Vielleicht kommt ich noch einmal wieder, wenn es klarer ist und die Wolken den Blick auf das Tal gänzlich freigeben.

1 Kommentar:

  1. Boah, Khandala ist ja wunderschön! Und überall Kühe! Ich glaube, Indien ist mein Traumland. :D Und was sind die roten Telefone? Sind die öffentlich? Oder werden die nur von Katzen benutzt?

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