Dienstag, 10. Juli 2012

Das Warten hat ein Ende


10.07.2012, 4.45 Uhr

Mittlerweile habe ich meine Boardingkarte für meinen Flug nach Pune und muss nur noch ca. eine halbe Stunde warten, bis ich einsteigen können sollte. Ich sitze hier am Rande eines endlos lang wirkenden Ganges, an den die einzelnen Gateways angeschlossen sind. Um diese Uhrzeit scheint es hier fast geisterhaft leer. Nur hier und da sitzen vereinzelt Passagiere, die auf ihr Flugzeug warten, dafür ist immerhin alles mit Teppich ausgelegt. Überall stehen Automaten, an denen man sich für nur ein paar Rupien etwas zur Erfrischung kaufen kann.
            Die letzten Stunden waren teilweise hart, da ich arg mit meiner Müdigkeit zu kämpfen hatte. Ich bin aber dankbarerweise auf drei nette Mädels getroffen, die aus Freiburg kamen und Indien für die letzten drei Monate bereist haben. Für eine der drei, Lena, geht es jetzt wieder nach Deutschland zurück, da sie, wie sie nach zwei Wochen in Indien erfahren hat, von ihrem Freund ein Kind erwartet. Die anderen beiden, Hannah und den Namen der anderen habe ich nicht mitbekommen, machen noch einen kurzen Abstecher nach Bangkok, bevor es auch für sie nach Hause geht. Alle drei hatten von Indien nur positives zu berichten gewusst, wenn man mal vom Ärgernis der Bürokratie absieht. Das Unterhalten mit den dreien hat das Wachbleiben einfacher gemacht, mal sehen, wie es dann im Flieger aussieht.
            Im Hintergrund schreien sich gerade indische Politiker im Fernsehen gegenseitig auf Englisch an. Das scheint wohl normal zu sein, denn die Moderatorin schreit teils noch lauter. Allgemein sind mir schon einige Dinge aufgefallen, die auf mich als Europäer seltsam wirken. So gibt es am Flughafen designierte Raucherräume und teils davor sowie in den Duty-Free-Shops Zigaretten zu kaufen. Nur würde man hier vergebens nach Feuerzeugen oder Streichhölzern suchen, da diese aus Sicherheitsgründen verboten sind und Passagieren in der Regel auch beim Check-In wieder abgenommen werden würden. Da sich diese Räume vor dem Check-Out bzw. nach dem Check-In befinden, ist ihre Existenz etwas fragwürdig. Dennoch sieht man immer wieder Inder, die in diesen Räumen rauchen. Woher sie ihre Feuerquelle beziehen, weiß ich allerdings nicht.
            Auch scheinen die Besitzer/Verkäufer der diversen Kioske am Flughafen diese nacht zwar zu schließen, bereiten sich dann aber oft in ihnen ihr Nachtlager auf dem kalten Fußboden, durch den sie allerhöchstens - wenn überhaupt - von einem dünnen Tuch getrennt werden und sich schlicht ihren Kopf mit einem anderen bedecken. Nach Hause scheinen nur die wenigsten zu gehen.
            Das Maß an Bürokratie, dessen es hier bedarf, scheint mir auch arg übertrieben, das nimmt manchmal schon fast kafkaeske Züge an, vor allem, wenn man sich das Ausmaß der Korruption hier im Land vor Augen hält. So muss man bei Ein- UND Ausreise eine Karte ausfüllen, wie ich sie im letzten Beitrag beschrieben habe und wie mir die drei Damen erzählten, muss das auch beim Check-In im Hotel Usus sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle diese Formulare bei so vielen Reisenden im Detail gelesen und dann auch noch überprüft werden. Das grenzt schon fast an Schikane. Wenn man wenigstens damit an einem Gewinnspiel teilnehmen würde... Aber bei so vielen Menschen ist die Wahrscheinlichkeit auch groß, dass es doch genug von ihnen gibt, die wirklich nichts besseres zu tun haben. Außerdem: WER will denn nach Indien?! Jaja, ich einmal ausgenommen, aber: als Schlaraffenland ist die Republik sicherlich bei niemandem bekannt.
            Ach, und noch etwas sehr gewöhnungsbedürftiges: Nicken, wie wir es kennen, gibt es hier nicht oder um es richtig zu sagen: es sieht hier anders aus. Wenn die Inder "nicken", dann könnte man als Deutscher meinen, sie würden mit dem Kopf schütteln. Vielmehr ist es aber eine Art Wippen des Kopfes von links nach rechts und wieder zurück - sehr gewöhnungsbedürftig, da man manchmal ein Problem sieht, wo gar keins ist. Das fand ich bereits während meines Deutschkurses an der TU sehr irritierend, da ich erst dachte, meine indischen Studenten würden mich nicht verstehen, hatte diese Eigenart dann aber wieder vergessen. Ich werd mich daran gewöhnen müssen. Mein Flieger ist da.

2 Kommentare:

  1. Ja, sie schütteln tastsächlich mit dem Kopf. Verwirrend, aber man gewöhnt sich dran :-)
    Namasté

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  2. Feuerzeuge darf man im Handgepäck mitnehmen, nicht im Reisegepäck. Bei Streichhölzern ist es andersrum. Jetzt quält dich eine Frage weniger. ;)

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