13.07.2012, 16.36 Uhr
Pune
| Könnte auch Chemnitz sein |
In der Dritten Welt ist
es aber zum Glück grad fast den ganzen Tag bewölkt, weshalb die Temperatur kaum
über 30 Grad steigt und in der Regel immer ein laues Lüftchen weht, wodurch es auch in meinem Zimmer sehr angenehm ist. Der Monsun
hat sich bisher auch noch nicht gemeldet, was aber jederzeit passieren kann.
| Mein Zimmer |
Obwohl ich einen Scooter habe, ich werde ihn wohl Sascha nennen, bin ich damit noch nicht im Straßenverkehr unterwegs gewesen. Das hat mehrerlei Gründe: zum einen die Verkehrslage, zu der erschwerend noch hinzukommt, dass die wie die Engländer auf der falschen Straßenseite fahren. Außerdem ist die Stadt einfach riesig, da verliert man sich leicht, vor allem deshalb, weil Schilder mit Straßennamen kaum existieren, man also im Voraus schon ziemlich genau wissen muss, wo man ist und wo man hin will. Und mal ganz davon abgesehen, hatte ich auch noch keine Zeit, mich mit Sascha zu beschäftigen, worum ich mich aber dieses Wochenende einmal kümmern möchte.
| Sascha |
Den ersten Tag, also am Mittwoch,
dachte ich mir, ich könnte ja einfach einmal zur Uni laufen, das konnte ja gar nicht so weit weg sein. Schließlich sind
wir ja auf der Fahrt vom Airport, wo mich Dennis, der Fahrer meiner Lektorin,
abgeholt hatte, daran vorbeigefahren. Offenbar war ich zu dem Zeitpunkt nicht
mehr aufnahmefähig, denn ich hatte mich extrem verschätzt, was die Distanzen
hier in der Stadt angeht. So bin ich zum Universitätscampus dann fast zwei
Stunden über eine Distanz von zehn Kilometern gelaufen. Dort hatte ich auch
meine erste unschöne Begegnung: Den letzten Kilometer war ich mit einer Rikscha
gefahren und als ich ausstieg, sprach mich auf dem Bürgersteig direkt ein
Student an, ob ich auch zur Uni wolle. Wir kamen ins Gespräch und ich dachte
mir, ich begleite ihn mal ein Stück, sodass er mich hoffentlich in die richtige
Richtung weisen konnte. Konnte er nicht, aber er wollte mir zumindest den Weg
zum Main Building zeigen. Auf dem Weg dahin kam er ziemlich schnell zur Sache
und fragte mich nach meiner sexuellen Orientierung. Er habe ja ein Faible für
ausländische Studenten (und das nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich kein
Student, sondern ein Lehrer an der
Uni sei), sei bisexuell und wollte mich vehement und explizit dazu überreden, das doch
wenigstens einmal zu probieren. Um Erfahrungen zu sammeln, you
know? Da half auch mehrfaches freundliches, aber bestimmtes Ablehnen nichts. Auf den interkulturellen Austausch habe ich dann jedenfalls lieber verzichtet.
Den Typen bin ich dann zum Glück los
geworden und konnte mich auf die Suche nach dem Ranade-Institut machen, an dem
ich unterrichten soll und wo ich mich mit Anuj, einem indischen Mitarbeiter vom
DAAD, später am Nachmittag treffen wollte (mittlerweile war es nach zwölf Uhr).
Ja, nur konnte mir irgendwie keiner sagen, wo sich das Institut befinden soll.
Die meisten hatten gar nicht davon gehört. Schließlich konnte mich dann ein
blinder(!) Dozent für Brailleschrift in die richtige Richtung weisen: das
Fergusson-College. Das befand sich aber gar nicht auf dem Campus der
Universität, sondern war weiter in der Innenstadt. Also nahm ich eine der
Rikschas am Straßenrand und fragte den Fahrer, ob er mich dahin bringen könnte.
| Rikschas |
An dieser Stelle ist es vielleicht
sinnvoll, einen kleinen Exkurs zu machen, was die Rikschas in Pune angeht. Als
Ausländer, vor allem als weißer, ist man in Pune, wahrscheinlich in ganz
Indien, ein wandelndes Dollarzeichen. Wenn man da nicht weiß, worauf man achten
muss, wird man ohne mit der Wimper zu zucken über den Tisch gezogen. Bei den für
deutsche Verhältnisse geringen Beträgen, um die es da geht, ist das oft noch zu
verschmerzen, aber auf Dauer summiert sich das natürlich und wer bezahlt schon
gern mehr als er muss? Man sollte immer darauf insistieren, dass mit Meter
(Kilometerzähler) gefahren wird, anhand dessen sich recht leicht ausrechnen
lässt, was eine Fahrt kosten darf
(Kilometerstand x 10 +1 Rupien; der Zähler startet bei 1 km, 11 Rupien bezahlt
man also immer, aber in der Regel fährt man ohnehin mehr als 1 km). Die Formel
dafür habe ich online gefunden, allerdings erst gestern. Bis dahin habe ich mir
von den Fahrern wohl mehr oder weniger was vom Pferd erzählen lassen und häufig
viel mehr bezahlt als ihnen zustand. Man kann vorher mit den Fahrern Preise
aushandeln, aber das ist nicht zu empfehlen, da das eigentlich immer zu ihren
Gunsten ausfällt. Wenn ein Fahrer nicht kooperationsbereit ist, direkt wieder
aussteigen und einen neuen suchen. Gleiches gilt im Übrigen auch für den
Einkauf, die kleinen Stände, die Obst und Gemüse verkaufen, einmal ausgenommen.
Auf abgepackten Waren ist eigentlich immer ein "Max Retail Price"
aufgedruckt, für die die Waren über den Tisch gehen können - das muss man aber
wissen, denn das hält die Händler mitunter nicht davon ab, trotzdem mehr zu
verlangen. Natürlich in der Hoffnung, dass das dumme Weißbrot aus Deutschland
das nicht merkt.
| Das dumme Weißbrot |
Aber egal, wo war ich? Es war das
Jahr Neunzehn-Sechsundzwickig - ich sage bewusst "Zwickig", da uns
der Maharadscha das "Zwanzig" geklaut hatte und ich in Pune war, um
es zurückzuholen. Diese Queste führte mich also zum Furgusson-College, wo ich
eine Weile über den Campus lief und das Institute of Foreign Languages suchte.
Fand es aber wiederum nicht und auch die fünf Leute, die ich fragte, wussten
entweder nicht, wo es war, sprachen kein Englisch (was mir ziemlich negativ
auffiel) oder schickten mich in die komplett falsche Richtung. Mittlerweile
hatte ich mir auch an beiden Füßen Blasen gelaufen (ich hatte locker eine
Distanz von über 10 Kilometern zurückgelegt), was dazu führte, dass mich
falsche Richtungsangaben mit jedem Mal mehr nervten. So wurde ich von einem
Campus auf den anderen geschickt. Lief dahin, lief dorthin, vor, zurück, im
Kreis. Nach zweieinhalb Stunden hatte ich dann das Ranade gefunden, welches
sich auf keinem der Campusse befand, sondern separat gelegen war (allerdings
nicht wirklich weit vom FC entfernt). Es war auch mittlerweile halb 4 geworden
und um 4 wollte ich mich mit Anuj dort treffen, was dann zum Glück auch
klappte. Ich war schon kurz davon, eine Rikscha nach Hause zu nehmen, weil ich
das Institut ums Verrecken nicht finden konnte. Seitdem habe ich auch eine
indische SIM-Karte (Vodafone) und bin unter meiner alten Nummer nicht mehr zu
erreichen. Wer die Nummer haben möchte, kann mich gern im FB oder per E-Mail
anschreiben.
Nachdem wir dann einen Kaffee
getrunken hatten, machte ich mich per Rikscha auf den Weg nach Hause, wobei ich
wiedermal zu viel bezahlte und nicht einmal dort abgesetzt wurde, wo ich
eigentlich hin wollte - mittlerweile ist mein Verhandlungsgeschick diesbezüglich
deutlich besser, sodass ich mich nicht mehr von den teils unverschämten Fahrern
unterbuttern lasse, die einem mit immer neuen Ausreden und Bullshitstorys
kommen, weshalb ich mehr bezahlen "muss" als eigentlich der Fall ist.
Abends bin ich dann auch nur noch ins Bett gefallen.
Und zum Abschied gibt's noch was
Flauschiges für die Damen:
Das kommt mir alles super bekannt vor... Uganda ist genau so. Naja, in den ersten Wochen merkst du schon, wie du mit den Fahrern sprechen musst, damit du den normalen Preis bekommst. Vielleicht traust du dich ja auch bald auf Sascha. ;) (Dazu möchte ich unbedingt ein Foto sehen!)
AntwortenLöschenUnd zu letzt: Genau so ein Himmelbett hab ich mir immer gewünscht! Voll Vintage. Sehr schick. ;) Schlaf gut.