Dienstag, 10. Juli 2012

DaFman Reises


09.07.2012, 20.45 Uhr Ortszeit
Indira Gandhi Airport, New Delhi

Die erste Etappe meiner Reise nach Indien liegt bereits hinter mir. Nachdem ich letzte Nacht wie üblich kaum schlafen konnte, versuchte ich, noch etwas Zeit zu meinem bisher zweistündigen Schlafpensum zu addieren, was mir mehr schlecht als recht auf meinem siebenstündigen Flug nach Neu Delhi gelangt - mehr als eine Stunde Dösen wird es kaum gewesen sein, auf die ich letztendlich gekommen bin. Insgesamt war der Flug ereigníslos. Ich saß neben einem älteren indischen Ehepaar, die nur schlecht Englisch sprachen, weshalb wir nur sehr wenige Worte wechselten. Die Filmauswahl an Bord war bescheiden, aber der Film Safe House mit Denzel Washington hat mir wenigstens etwas die Langeweile geraubt, die ich u. a. mit Lesen versucht habe zu überbrücken. Das Essen in der Holzklasse war erwartbar schlecht. Normal würde man sich ja über indisches Essen - Curry Hühnchen - freuen, wenn das allerdings zum großen Teil nur aus geschmacksneutralem Reis besteht, wird es recht schnell langweilig, nachdem man sich die zwei Stückchen Hühnchen herausgepickt hat. Das ist halt "Continental Lunch", irgendwo müssen die ja dann sparen.
            Kurz vor der Landung wurden dann an alle Passagiere Karten ausgeteilt, die es auszufüllen gilt - meine erste richtige Begegnung mit der indischen Bürokratie. Trotz des halben Offenbarungseides, den man schon bei der Beantragung seiner Visa leisten muss, durfte ich noch einmal jede Menge Angaben zu meiner Person machen (zuletzt besuchte Länder, Wohnanschrift in Indien, Telefonnummer etc.). Dafür kam ich dann aber doch recht problemlos durch die Abfertigung, was mich schon ein wenig an der Sinnhaftigkeit dieser Übung zweifeln ließ, denn der Mann mit Turban, der mich kontrollierte, überflog meinen Wisch nur kurz und drückte dann seinen Stempel darauf. An der Gepäckausgabe dann der erste Schrecken: mein Koffer kam nicht. Ich wartete so lang (15 Minuten), dass mich mittlerweile sogar ein Flughafenmitarbeiter ansprach und meine Nummer an eine Kollegin weitergab, die mit ihm über sein Handy verbunden war. Ich hatte schon Angst, dass mein Koffer irgendwo verloren gegangen war. Schließlich kam er dann aber - ohne das Zutun des Mitarbeiters, wie ich vermute - kurz darauf auf dem Fließband angefahren.
            Während ich nun also elf Stunden Zeit habe, bis mein Anschlussflug abgeht, habe ich Zeit, das hier niederzuschreiben. Bisher muss ich sagen, dass der Kulturschock noch ausgeblieben ist - man ist ja hier am Flughafen bzw. in der Wartelounge auch sehr vom "echten" Leben in Indien isoliert. Der kleine Michel hätte gesagt, man befände sich an einem "Nicht-Ort". Der Anflug auf Delhi hat dann aber schon etwas von der Umgebung der Großstadt preis gegeben: Wenn man da aus dem Fenster schaut und all diese kleinen, dürren Handtuchfelder sieht, so brau in braun, grau in grau, Sand, Erde, Dreck, dann ist das in zwei Worten recht gut beschrieben: sehr Karc karg. Das hätte genauso gut Äthiopien sein können, wo ich da austeigen sollte.
           
Wer auf Fettaugen in seiner Sauce steht, der wird sich in das indische Fastfood am Flughafen direkt verlieben. Für mich blieb allerdings die kulinarische Offenbarung aus - ich hatte irgendetwas bestellt, das auf der Abbildung noch gut aussah (McDonald's lässt grüßen), als es mir dann aber serviert wurde, lag es nicht einmal auf dem Teller wie auf der Abbildung, sondern in einer Plasteschachtel, die arg nach einer wiederverwendeten Schachtel für eine Knabbermischung aussah. Eigentlich schade, dass ich das nicht fotografiert habe, aber sei es drum - ich habe auch nicht erwartet, dass Fastfood für mich neue Maßstäbe beim Essen setzen würde, allerhöchstens nach unten. Was in Verbindung mit meinem Abendessen ebenfalls irritierte: Die Preisangaben erfolgen teilweise, wie das in weniger zivilisierten Ländern üblich ist (z. B. in den USA), ohne Einberechnung der Steuer - die kommt dann erst an der Kasse dazu. Das kann durchaus zu bösen Überraschungen führen, wenn man sich nicht vorher informiert. Allerdings hat sich das beim Essen in Grenzen gehalten. Versucht mal in Frankfurt auf dem Flughafen ein Mittagessen für 6 Euro zu bekommen.
            Noch habe ich 7 Stunden bis zum Check-In totzuschlagen, wo ich dann endlich meinen schweren Koffer wieder loswerde. Da der Flug von Delhi nach Pune nämlich ein Inlandsflug ist, muss ich nämlich noch einmal komplett neu einchecken und durch die Sicherheitskontrolle. Immerhin gibt es hier kostenlose Trollies, die den Transport etwas erleichtern und der Kaffee ist bisher auch nicht schlecht und mit einem Preis von 50RP (~65RP = 1 Euro) sehr erschwinglich für deutsche Reisende (allerdings ist da nur halb so viel drin wie in der Mensa). In 9 Stunden geht dann mein Flug. Bis dahin werde ich bestimmt noch den ein oder anderen trinken.

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