09.07.2012, 20.45 Uhr Ortszeit
Indira Gandhi Airport, New Delhi
Die
erste Etappe meiner Reise nach Indien liegt bereits hinter mir. Nachdem ich
letzte Nacht wie üblich kaum schlafen konnte, versuchte ich, noch etwas Zeit zu
meinem bisher zweistündigen Schlafpensum zu addieren, was mir mehr schlecht als recht auf meinem siebenstündigen Flug nach Neu Delhi gelangt - mehr als eine Stunde
Dösen wird es kaum gewesen sein, auf die ich letztendlich gekommen bin.
Insgesamt war der Flug ereigníslos. Ich saß neben einem älteren indischen
Ehepaar, die nur schlecht Englisch sprachen, weshalb wir nur sehr wenige Worte
wechselten. Die Filmauswahl an Bord war bescheiden, aber der Film Safe House mit Denzel Washington hat mir
wenigstens etwas die Langeweile geraubt, die ich u. a. mit Lesen versucht
habe zu überbrücken. Das Essen in der Holzklasse war erwartbar schlecht. Normal
würde man sich ja über indisches Essen - Curry Hühnchen - freuen, wenn das allerdings
zum großen Teil nur aus geschmacksneutralem Reis besteht, wird es recht schnell
langweilig, nachdem man sich die zwei Stückchen Hühnchen herausgepickt hat. Das
ist halt "Continental Lunch", irgendwo müssen die ja dann sparen.
Kurz vor der Landung wurden dann an
alle Passagiere Karten ausgeteilt, die es auszufüllen gilt - meine erste
richtige Begegnung mit der indischen Bürokratie. Trotz des halben
Offenbarungseides, den man schon bei der Beantragung seiner Visa leisten muss,
durfte ich noch einmal jede Menge Angaben zu meiner Person machen (zuletzt
besuchte Länder, Wohnanschrift in Indien, Telefonnummer etc.). Dafür kam ich
dann aber doch recht problemlos durch die Abfertigung, was mich schon ein wenig
an der Sinnhaftigkeit dieser Übung zweifeln ließ, denn der Mann mit Turban, der
mich kontrollierte, überflog meinen Wisch nur kurz und drückte dann seinen
Stempel darauf. An der Gepäckausgabe dann der erste Schrecken: mein Koffer kam
nicht. Ich wartete so lang (15 Minuten), dass mich mittlerweile sogar ein
Flughafenmitarbeiter ansprach und meine Nummer an eine Kollegin weitergab, die
mit ihm über sein Handy verbunden war. Ich hatte schon Angst, dass mein Koffer
irgendwo verloren gegangen war. Schließlich kam er dann aber - ohne das Zutun
des Mitarbeiters, wie ich vermute - kurz darauf auf dem Fließband angefahren.
Während ich nun also elf Stunden
Zeit habe, bis mein Anschlussflug abgeht, habe ich Zeit, das hier
niederzuschreiben. Bisher muss ich sagen, dass der Kulturschock noch ausgeblieben
ist - man ist ja hier am Flughafen bzw. in der Wartelounge auch sehr vom
"echten" Leben in Indien isoliert. Der kleine Michel hätte gesagt,
man befände sich an einem "Nicht-Ort". Der Anflug auf Delhi hat dann
aber schon etwas von der Umgebung der Großstadt preis gegeben: Wenn man da aus
dem Fenster schaut und all diese kleinen, dürren Handtuchfelder sieht, so brau
in braun, grau in grau, Sand, Erde, Dreck, dann ist das in zwei Worten recht
gut beschrieben: sehr Karc karg. Das hätte genauso gut Äthiopien sein
können, wo ich da austeigen sollte.
Wer
auf Fettaugen in seiner Sauce steht, der wird sich in das indische Fastfood am
Flughafen direkt verlieben. Für mich blieb allerdings die kulinarische
Offenbarung aus - ich hatte irgendetwas bestellt, das auf der Abbildung noch
gut aussah (McDonald's lässt grüßen), als es mir dann aber serviert wurde, lag
es nicht einmal auf dem Teller wie auf der Abbildung, sondern in einer
Plasteschachtel, die arg nach einer wiederverwendeten Schachtel für eine
Knabbermischung aussah. Eigentlich schade, dass ich das nicht fotografiert
habe, aber sei es drum - ich habe auch nicht erwartet, dass Fastfood für mich
neue Maßstäbe beim Essen setzen würde, allerhöchstens nach unten. Was in
Verbindung mit meinem Abendessen ebenfalls irritierte: Die Preisangaben
erfolgen teilweise, wie das in weniger zivilisierten Ländern üblich ist
(z. B. in den USA), ohne Einberechnung der Steuer - die kommt dann erst an
der Kasse dazu. Das kann durchaus zu bösen Überraschungen führen, wenn man sich
nicht vorher informiert. Allerdings hat sich das beim Essen in Grenzen
gehalten. Versucht mal in Frankfurt auf dem Flughafen ein Mittagessen für 6
Euro zu bekommen.
Noch habe ich 7 Stunden bis zum
Check-In totzuschlagen, wo ich dann endlich meinen schweren Koffer wieder
loswerde. Da der Flug von Delhi nach Pune nämlich ein Inlandsflug ist, muss ich
nämlich noch einmal komplett neu einchecken und durch die Sicherheitskontrolle.
Immerhin gibt es hier kostenlose Trollies, die den Transport etwas erleichtern
und der Kaffee ist bisher auch nicht schlecht und mit einem Preis von 50RP
(~65RP = 1 Euro) sehr erschwinglich für deutsche Reisende (allerdings ist da
nur halb so viel drin wie in der Mensa). In 9 Stunden geht dann mein Flug. Bis
dahin werde ich bestimmt noch den ein oder anderen trinken.
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